Uschhorod Ukraine
Uschhorod ist die Hauptstadt der Oblast Transkarpatien in der Ukraine und Sitz des Verwaltungszentrums fur den Rajon Uschhorod. Der Name der Stadt ruhrt von ihrer Lage am Fluss Usch her, wird aber volksetymologisch mit dem ukrainischen Wort fur Natter (usch) in Verbindung gebracht. Sie liegt im Dreilandereck zwischen Ungarn, der Slowakei und der Ukraine, direkt an der slowakischen Grenze. Sie zahlt 117.300 Einwohner (Volkszahlung 2001) und ist Sitz eines griechisch-katholischen Bistums (Oberhaupt der ruthenischen Kirche).
Stadtname/Sprachen
Aufgrund der Vielzahl von ethnischen Gruppen, die uber die Jahrhunderte in Uschhorod lebten und leben, gibt es verschiedensprachliche Bezeichnungen fur Uschhorod: ukrainisch (Uschhorod), ruthenisch (Uschhorod), russisch (Uschgorod), slowakisch und tschechisch Uzhorod, ungarisch Ungvar, deutsch Ungwar oder auch Ungstadt.
Kultur und Sehenswurdigkeiten
Architektonisch erinnert der historische Stadtkern von Uschhorod in vielem an das alte Osterreich-Ungarn. Dazu kommen in den Verwaltungsgebauden und in den AuBenbezirken einerseits sowjetische und postsowjetische Plattenbauten und andererseits neue, private Wohnhauser, die keinerlei Bauplanen unterworfen zu sein scheinen. Im Fruhjahr sind mehrere StraBenzuge der Innenstadt von uppig bluhenden japanischen Kirschbluten (Sakura) durchzogen, die besonders nachts einen starken Duft verstromen. Den ganzen Sommer uber bluhen entlang des Flusses Usch (slowakisch und ruthenisch Uh) die Baume der langsten Lindenallee Europas, die eine beliebte Flaniermeile fur Jung und Alt ist.
Weitere Sehenswurdigkeiten sind die alte Burg aus dem 9. Jh. n. Chr. und das in der Nahe errichtete Freilichtmuseum, in dem die typische transkarpatische Holzarchitektur prasentiert wird. Zu diesem Zweck sind Originalbauwerke, eine Kirche, eine Schule und regionaltypische Bauernhauser aus der gesamten Oblast hierhin transportiert und wieder aufgebaut worden.
Es gibt ein Kunstmuseum, ein Museum fur transkarpatische Holzarchitektur und ein Heimatmuseum.
Geschichte
Uschhorod und Transkarpatien waren im Laufe der letzten Jahrhunderte zahlreichen Herrschaftsgebieten zugehorig und seine Bewohner vielen Grenzverschiebungen ausgesetzt. Erste Ansiedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet werden aufgrund von archaologischen Funden fur das fruhe Palaolithikum (100.000 Jahre v. Chr.) vermutet, auch aus der Bronze- und Eisenzeit gibt es Siedlungsnachweise.
Nach der Volkerwanderungszeit zogen in das Gebiet Slawen ein. Archaologischen Funden zufolge ist die Burgstatte Uschhorod an der Wende des 8. und 9. Jahrhunderts entstanden und wurde dann zu einer wichtigen Burgstatte von GroBmahren. Schriftliche Chroniken dokumentieren die Existenz der Burg(statte) zum ersten Mal im Jahr 903 n. Chr. (eher umstritten ist die Erwahnung vom Jahr 872). Vom 10. bis zum 11. Jahrhundert n. Chr. war Uschhorod der sudwestliche Vorposten der Kiewer Rus.
In der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde es von Ungarn erobert. Die Eroberung des restlichen Transkarpatien war dann bis zum 13. Jahrhundert abgeschlossen. Bis 1918/19 gehorte die Stadt mit wechselnden Fursten zum K?nigreich Ungarn und somit ab 1526 auch zur osterreichischen Monarchie bzw. ab 1867 zu Osterreich-Ungarn. Innerhalb Ungarns hieB die Stadt Ungvar und war Hauptstadt des Komitats Ung (Usch).
Im Rahmen des Friedensvertrags von Trianon fiel Uschhorod 1919 mit der Karpatoukraine an die neu gegrundete Tschechoslowakei. 1938-39 war Uschhorod Hauptstadt der autonomen Karpatoukraine innerhalb der Tschechoslowakei. Durch den Ersten Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 wurde Uschhorod mitsamt dem ganzen sudlichen Streifen der Karpatoukraine wieder ungarisch.
Gegen Ende des 2. Weltkrieges, am 27. Oktober 1944, wurde Uschhorod von der Roten Armee in der Ostkarpatischen Operation eingenommen. Im Juni 1945 wurde die Stadt von der Tschechoslowakei der Sowjetunion uberlassen und dort 1946 zum Zentrum des neu gegrundeten Oblast Transkarpatien innerhalb der Ukrainischen Sowjetrepublik der UdSSR. Seit August 1991 ist es Teil der neu gegrundeten Ukraine.
Konfessionen
Die meisten Bewohner Uschhorods gehoren zwei (von drei) groBen ukrainischen Konfessionen an, der griechisch-katholischen Kirche und der ukrainisch-orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats. Die ungarischstammige Bevolkerung ist uberwiegend romisch-katholisch oder gehort zur Reformierten Kirche in Transkarpatien. AuBerdem sind unter den Protestanten Baptisten stark vertreten. Seit der ukrainischen Unabhangigkeit haben sich auch zahlreiche andere christliche Konfessionen und Bewegungen etabliert, z.B. Pfingstler, Adventisten, Zeugen Jehovas u.a. In der Sowjetzeit ist eine Synagoge nach dem Krieg in eine Konzerthalle umgebaut worden.