Ukraine
Die Republik Ukraine ist ein Staat in Osteuropa. Sie grenzt an Russland im Nordosten, WeiBrussland im Norden, Polen, Slowakei und Ungarn im Westen, Rumanien und Moldawien im Sudwesten und an das Schwarze Meer und Asowsche Meer im Suden. Die Hauptstadt ist Kiew. Die Ukraine ist nach Russland das flachenmaBig groBte Land Europas. Seit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 ist die Ukraine unabhangig. Ein baldiger EU-Beitritt wird angestrebt.
Geographie
Der groBte Teil der Ukraine (ca. 95 %) liegt auf dem Gebiet der Osteuropaischen Ebene. Deshalb wird sie fast ausschlieBlich zu Osteuropa gezahlt. Die restlichen 5 % zahlen zu Mitteleuropa (die Karpaten und Lemberg) und Sudosteuropa (Odessa und die Halbinsel Krim).
Andere Landschaftsraume auBerhalb der groBen Ebene finden sich lediglich in der sudlichen Westukraine, wo das Land Anteil an den Waldkarpaten und an der Pannonischen Ebene hat, sowie im auBersten Suden. Der hochste Berg des Landes ist der Howerla in den Ostkarpaten, welcher eine Hohe von 2.061 Metern erreicht. Die hochste Erhebung der Krim ist der Roman Kosch mit 1.545 Metern.
Auf dem zur Osteuropaischen Ebene gehorenden Teil erstrecken sich insbesondere im Norden und Suden des Landes groBe wie etwa das Dneprtiefland und die Schwarzmeersenke. Das Gelande erreicht dort Hohen zwischen 0 und 200 m. Aufgrund der geringen Hohenunterschiede flieBen die Flusse dieses Gebiets sehr langsam. Im Bereich der Tieflander gibt es insbesondere in der zentralukrainischen Oblast Poltawa kleinere Gas- und Erdolvorkommen, welche aber fur eine Eigenversorgung des Landes nicht ausreichend sind. Hoffnungen werden in die ErschlieBung von Feldern im Schwarzen Meer gesetzt. Aufgrund der vermuteten Rohstoffvorkommen bestehen momentan Grenzstreitigkeiten mit dem sudwestlichen Nachbarland Rum?nien.
Natur und Landschaft
Vegetation
Die weltweit groBten Rotbuchen-Urwalder befinden sich in den Ukrainischen Waldkarpaten
In den Karpaten existieren die letzten echten Urwalder Europas. Sie zahlen seit Juli 2007 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Knapp 16% der Flache des Landes ist bewaldet (hauptsachlich mit Buchen, Kiefern, Birken, Espen, Eichen, Erlen, Eschen und Ahorn). Neben den Karpaten bilden der Dnepr-Basin und der Prypjat-Basin die wichtigsten okosysteme. Gurken, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Hulsenfruchte und Auberginen sind das am haufigsten angebaute Gemuse. Zu den typischen Obstsorten zahlen Trauben, Birnen, Melonen, Pfirsiche, Pflaumen und Aprikosen. Die wichtigste Nutzpflanze ist der Weizen. Neben ihm wird aber auch viel Roggen, Gerste, Kartoffeln, Mais und vor allem Buchweizen angebaut. Die Sonnenblume ist die Nationalpflanze.
Bevolkerung
Historische Entwicklung
Vor dem ersten Weltkrieg lebte eine deutschsprachige Minderheit, bestehend aus mehreren hunderttausend Personen, auf dem Staatsgebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina, Wolhynien, Schwarzmeerkuste); heute sind es noch etwa 30.000 bis 40.000.
Bis 1944 lebten mehrere Millionen Polen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina und Wolhynien). 1944 kam es vor allem in Wolhynien zu Massakern an der polnischen Bevolkerung, denen uber 40.000 Polen zum Opfer fielen. Nach dem Krieg und der Annexion der ehemals polnischen Gebiete ostlich des Bugs wurde die polnische Bevolkerung vertrieben.
Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten in der Ukraine sehr viele Juden, die jedoch zu groBen Teilen wahrend der Besatzung durch das Deutsche Reich von SS-Einsatzgruppen ermordet wurden. Die Ukraine war eines der Hauptverbreitungsgebiete der jiddischen Sprache. Die Uberlebenden wandern seitdem in die USA, nach Israel und zum kleinen Teil nach Deutschland aus. 2001 lebten noch rund 100.000 Juden in der Ukraine. Ihre Zahl nimmt wegen der erwahnten Auswanderung und des allgemeinen Geburtenruckgangs weiterhin ab.
Ethnien
Prozentzahl der Ukrainisch-Sprechenden nach der offiziellen Statistik 2001
Nach der offiziellen Volkszahlung von 2001 leben in der Ukraine 77,8 % Ukrainer, wobei die Menschen mit den gemischten russischen und ukrainischen Nationalitaten als Ukrainer gezahlt wurden, 17,3% Russen, und uber 100 weitere Nationalitaten. Eine staatlich nicht anerkannte Minderheit sind die Russinen Transkarpatiens. Neben den 10 groBten Nationalitaten gibt es noch kleinere Minderheiten mit weniger als 100.000 Einwohnern, darunter hauptsachlich Griechen, Roma, Aserbaidschaner, Georgier und Deutsche.
Sprache
73 % der ethnischen Ukrainer sprechen Ukrainisch als Muttersprache oder Zweitsprache, 74,4 % beherrschen Russisch. Die russische Sprache dominiert als Muttersprache im Osten und Suden der Ukraine bis heute. Besonders in Kiew hat die russische Sprache einen hohen Stellenwert. Der Westen des Landes ist dagegen uberwiegend ukrainischsprachig, wobei auch hier viele Bewohner sehr gute russische Sprachkenntnisse haben. In Galizien beherrschen auch noch viele Menschen Polnisch. Seit der Unabhangigkeit verschieben sich diese Verhaltnisse aber in begrenztem MaBe zugunsten des Ukrainischen, da es nun im ganzen Land Pflichtfach ist und zunehmend Unterrichtssprache an den Schulen wird. An vielen ukrainischen Hochschulen, insbesondere im technischen Bereich, findet der Unterricht jedoch mangels ukrainischer Fachliteratur uberwiegend in russischer Sprache statt. Eine weit verbreitete mundliche Mischform mit dem Russischen ist der Surschyk.
Die "Sprachenfrage" ist in der ukrainischen Politik ein standiges Streitthema. Ein groBer Teil der Bevolkerung sowie die Partei der Regionen tritt fur die vollige Gleichberechtigung der russischen Sprache durch den Status einer zweiten Amtssprache ein. Die "orangenen" Parteien rund um Prasident Juschtschenko und Julija Tymoschenko lehnen dies ab. Einige Oblasten und stadtische Kommunen fuhrten die russische Sprache als Amtssprache auf regionaler Ebene ein.
Religion
Die Ukraine ist traditionell ein konfessionell gemischtes Land. Dominierend sind die orthodoxen Kirchen, 46% der Ukrainer sind Anhanger der Ukrainisch-orthodoxen Kirche und der Ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Erstere untersteht einem Patriarchen in Kiew, wahrend letztere der Russisch-orthodoxen Kirche in Moskau zugehort. Zwischen beiden Konfessionen tobt ein erbitterter Streit um Legitimitat und um Besitzanspruche an Immobilien. Dem orthodoxen Ritus folgt auch die 1596 entstandene griechisch-katholische Kirche, die allerdings die Suprematie des Papstes anerkennt und mit Rom uniert ist. Ihr gehoren ca. 5,5 Mio. Glaubige an. Daneben gibt es in der Ukraine ca. 2 Mio. islamische Minderheiten (4%, davon 1,7% Tataren), 1,1 Mio. romisch-katholische Christen (vor allem Polen u. Deutsche) sowie eine kleine Gruppe evangelischer Christen (2,7%), und circa 103.000 Juden. 5,3% sind Atheisten oder gehoren anderen Religionen an
Wirtschaft
Die wichtigsten AuBenhandelspartner sind Russland (21,1 %), Deutschland (8,0 %), die Turkei (6,9 %), Italien (6,3 %), gefolgt von den Vereinigten Staaten (4 %), Turkmenistan (3,8 %), Polen (3,4 %) und der Volksrepublik China (3,3 %) (2007)
Zypern und Deutschland sind die groBten Direktinvestoren fur das Jahr 2008, von insgesamt 36,5 Milliarden US-Dollar entfallen auf Zypern 8,3 Milliarden und auf Deutschland 6,8 Milliarden (Stand 1. Juli 2008). Die wichtigsten Exportguter der Ukraine sind Metallurgieprodukte, chemische Waren, Maschinen, Gerate, Nahrungsmittel und Textilien
Geschichte
1654 Ubernahm Moskau, seit 1547 Russisches Zarenreich genannt, groBe Teile der Ukraine, nachdem sich die ukrainischen Kosaken unter Bohdan Chmelnyzkyj gegen die polnische Herrschaft erhoben und sich im Vertrag von Perejaslaw Russland anschlossen. Weitere Gebiete erwarb Russland mit den Polnischen Teilungen, bei denen aber der auBerste Westen des ukrainischen Sprachgebietes an das Habsburgerreich fiel, das seinen Anteil Polens nach dem ukrainischen Furstentum Halitsch als Galizien bezeichnete. Die Ukrainer wurden im Russischen Reich als Kleinrussen bezeichnet, in Anlehnung an eine alte byzantinische Definition eines Klein-Russlands (Kernland um Kiew) und eines GroB-Russlands (alle anderen Gebiete).
1917 gelang es der uberwiegend bauerlichen Machno-Bewegung eine anarchistische Revolution durchzufuhren, welche zunachst den sowjetischen Bolschewiken gegen die "WeiBen" half, dann 1921 jedoch von diesen nicht als gleichwertige Partner anerkannt wurde, so dass die Ukraine von der Roten Armee unter Trotzki in einem blutigen Krieg an Sowjetrussland angeschlossen wurde. Mit der Grundung der Sowjetunion im Dezember 1922 wurde die Ukraine zur Ukrainischen SSR. Fur die junge Sowjetunion war die Ukraine die "Kornkammer". Als unter Stalin 1932 - 33 die Landwirtschaft zwangsweise kollektiviert wurde, kamen schatzungsweise 3,5 Millionen Menschen durch Hungersnote im Holodomor um. In der Ukraine gilt Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch bis heute fur die durch die Zwangskollektivierung herbeigefuhrte Hungersnot in der Bevolkerung in den 20er Jahren als verantwortlich.
Wahrend der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg (1941 - 1943/44) stand das Land als Reichskommissariat Ukraine und Generalgouvernement zum groBeren Teil unter deutscher Zivilverwaltung. Die Ukraine war Schauplatz zahlreicher Massenmorde an Juden und sowjetischen Kriegsgefangenen (z. B. Massaker von Babi Jar). Wahrend der Besatzung kam es besonders im Osten und Suden der Ukraine zu Hungersnoten, da die Deutschen der Bevolkerung die Nahrung entzogen und die Ernteertrage nach Deutschland brachten. Zwischen Dezember 1941 und August 1942 verhungerten aufgrund dieser Ausplunderung allein in Charkow mehr als 12.000 Menschen. Der zweite Weltkrieg forderte in der Ukraine etwa 6,5 Millionen zivile Todesopfer, davon etwa 750.000 bis eine Million judische Ukrainer. Fast die gesamte judische Bevolkerung, sofern nicht geflohen, wurde ausgeloscht. Viele Dorfer und Stadte wurden 1943 beim Ruckzug der Deutschen Wehrmacht zerstort. Es gab 1945 in der Ukraine etwa 10 Millionen Obdachlose.
Zwischen 1941 und 1947 tobte nicht nur ein Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer, sondern es gab auch eine Unabhangigkeitsbewegung (Ukrajinska Powstanska Armija, "Ukrainische Aufstandischenarmee"), die gegen die Sowjetherrschaft und die polnische Bevolkerung kampfte. Da die Angehorigen dieser Untergrundarmee wussten, dass sie in der Hand sowjetischer Behorden dem Tod geweiht waren, dauerte ihre Niederschlagung durch Einheiten des NKWD uber das Ende des 2. Weltkrieges hinaus.
Am 24. Oktober 1945 trat die Ukraine als Grundungsmitglied den Vereinten Nationen bei.
Im Zuge der "Westverschiebung" Polens wurde die gesamte polnische Bevolkerung aus den ehemals polnischen Gebieten der heutigen Westukraine ausgesiedelt, teilweise auch gewaltsam vertrieben. Im Gegenzug wurde die ukrainische Minderheit Polens in die Ukraine zwangsumgesiedelt ("Operation Weichsel"). Danach war die Ukraine - wie zuvor - Teil der Sowjetunion.
Chruschtschow schenkte 1954 die Halbinsel Krim anl?sslich des 300-jahrigen Jubilaums der Russisch-Ukrainischen Einheit an die Ukrainische SSR.
Die Ukraine ist seit 1991 unabhangig. 2004 erlebte sie einen demokratischen Umschwung - die "Orangene Revolution" - ausgelost durch die Prasidentschaftswahlen, aus denen Wiktor Juschtschenko als Sieger hervorging. In der Folge wurde das politische System zu einem semi-prasidentiellen System mit einer Starkung des Parlaments und der Regierung geandert. Dies war eine Voraussetzung fur die Anerkennung des Sieges Juschtschenkos durch die Gegner des Umschwungs. Die Verfassungsanderung fuhrte in Kombination mit den Mehrheitsverhaltnissen im Parlament sowie der Uneinigkeit der westlich orientierten Krafte zu einem andauernden Machtkampf zwischen dem westlich orientierten Prasidenten auf der einen und dem eher russlandfreundlichen Ministerprasidenten sowie der diesen unterstutzenden Parlamentsmehrheit auf der anderen Seite. Die ungeklarte Machtfrage verursachte eine politische Stagnation, die bis heute anhalt. Dennoch erfuhr die ukrainische Wirtschaft in den letzten Jahren einen kraftigen Aufschwung, der jedoch nicht uber den immer noch allgemein geringen Wohlfahrtsstand tauschen sollte.