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Czernowitz Ukraine

Czernowitz - ist die Hauptstadt der Oblast Tscherniwzi und die traditionelle Hauptstadt der Bukowina im Karpatenvorland, hauptsachlich am rechten Ufer des Flusses Pruth. Sie liegt in der westlichen Ukraine.

Geographie
Czernowitz liegt in 248 m Seehohe in einem von Hugeln durchzogenen Gebiet mit Waldern und Feldern. Die Stadt erstreckt sich uberwiegend am rechten Ufer des Pruth, wo sich die Stadtbezirke Rajon Perschotrawnewe und Rajon Schewtschenko befinden. Am linken Flussufer befindet sich der Stadtteil Sadhora im Rajon Sadhora.

Sehenswurdigkeiten
Die bedeutendste Sehenswurdigkeit von Czernowitz ist die ehemalige griechisch-orientalische erzbischofliche Residenz, ein imposanter Ziegelbau auf dem "Bischofsberg", in dem seit sowjetischer Zeit die Universitat untergebracht ist. Zuvor befand sich die 1875 gegrundete Universitat teilweise im Padagogium in der Bischofsgasse, teilweise (Naturwissenschaften) im Priesterhaus bei der Residenz (nebst verschiedenen Sammlungen).
Des Weiteren sind der Kuppelbau der im Stile der Sankt-Petersburger Isaakskathedrale gebauten, 1864 vollendeten griechisch-orthodoxen Kathedrale am Franz-Josephs-Platz und das Opernhaus hervorzuheben.
Der bedeutendste Platz ist der Austria-Platz mit dem 1875 errichteten, 1918 verschollenen und erst 2003 teilweise wiederaufgefundenen Austria-Monument, einer Marmorfigur der Austria auf einem mit Bronzereliefs und Inschriften ausgestatteten Sockel.
Die Stadt verfugt uber eine Reihe von Museen. Das jungste von ihnen ist das Mitte Mai 2008 eroffnete Museum der Militargeschichte der Bukowina.
Im Jahr 1904 wurde mit dem Bau des vom Wiener Architekturb?ro Fellner & Helmer geplanten neuen Theatergebaudes in Czernowitz begonnen. Seine Front wird, wie bei vielen anderen Theatern dieser Zeit, durch eine Portalbogenarchitektur hervorgehoben. Die Eroffnung erfolgte nach 14 Monaten Bauzeit am 3. Oktober 1905 als "Czernowitzer deutsches Stadttheater". Von 1907 bis 1922 stand vor dem Theater ein Denkmal von Friedrich Schiller.
1922 wurde es zum "Rumanischen Nationaltheater". Seit 1940 bzw. 1944 ist es das "Ukrainische musikalisch-dramatische Olga-Kobylanska-Theater", seit 1980 steht ein Denkmal der ukrainischen Nationaldichterin Olga Kobylanska vor dem Gebaude. Das Theater liegt inmitten eines damals neu entstanden Stadtteils am ehemaligen "Elisabeth-Platz", heute "Theaterplatz", und umgeben von einer Parkanlage. Ein fast baugleicher "Zwilling" des Theaters steht in Furth in Bayern.
Anlasslich des 600-Jahr-Jubilaums der Stadt Czernowitz wurde im Modellpark "Minimundus - Die Kleine Welt am Worthersee" in Klagenfurt am Worthersee, Osterreich, ein Modell des "Czernowitzer Theaters" errichtet. Das Modell wurde unterstutzt durch das Gebiet Czernowitz, das Land Karnten, die Stadte Czernowitz, Klagenfurt und Wolfsberg sowie den Verein Osterreich Kooperation, die Georg-Drozdowski-Gesellschaft in Klagenfurt/Karnten und das Bukowina-Zentrum in Czernowitz. Es entstand in der "Minimundus"-Modellbauwerkstatte

Geschichte
Eine befestigte Siedlung am linken Ufer des Pruths stammt aus der Zeit des altrussischen
Furstentums Halytsch-Wolhynien und wurde unter Furst Jaroslaw Osmomysl gegrundet, der zwischen 1153 und 1187 regierte. In den Legenden wird es anfangs Tschern (Schwarze Stadt) genannt. Dies kann auf die schwarze Farbe der Stadtmauern oder auf die Schwarzerde zuruckgehen. Die Festung wurde 1259 wahrend der Mongoleninvasion unter Burundai zerstort, die Reste wurden jedoch bis ins 17. Jahrhundert weiterhin zu Verteidigungszwecken genutzt. Nach 1259 verlagerte sich die Bebauung auf das strategisch gunstigere, hohere rechte Pruth-Ufer.
Von 1359 bis 1775 gehorten die Stadt und ihre Umgebung zum Furstentum Moldau. Aus dieser Zeit stammt auch die erste urkundliche Erwahnung der Stadt (8. Oktober 1408), als sie in einem Handelsbrief zwischen dem moldauischen Fursten Alexandru cel Bun und Kaufleuten aus Lemberg (damals im Konigreich Polen) auftaucht.
1774 wurde Czernowitz wie die gesamte Bukowina von Osterreich besetzt und 1775 offiziell Teil der Habsburgermonarchie. In dieser vorerst zum Konigreich Galizien und Lodomerien gehorig, hatte die Stadt 1816 erst 5.400 Einwohner[1]. 1849 wurde das Herzogtum Bukowina als eigenes Kronland mit der Landeshauptstadt Czernowitz konstituiert, 1861 das Landesparlament, der Landtag, eingerichtet. In der 1867 gebildeten Doppelmonarchie Osterreich-Ungarn gehorte das Land bis 1918 zu "den im Reichsrat vertretenen Konigreichen und Landern" (Cisleithanien) mit deren gemeinsamer k.k. Regierung in Wien.
1875 wurde von Kaiser Franz Joseph I. anl?sslich der 100-jahrigen Zugehorigkeit zu Osterreich eine Universitat mit deutscher Unterrichtssprache gegrundet, die Franz-Josephs-Universitat Czernowitz. Sie umfasste 1893 eine griechisch-orientalisch theologische, eine rechts- und staatswissenschaftliche und eine philosophische Fakultat und besaB eine Bibliothek mit 50.000 Banden, einen botanischen Garten, ein chemisches Labor und ein naturhistorisches Museum. 1892/1893 unterrichteten 40 Lehrer 281 Studierende[2].
1895 vermerkte ein Lexikon fur Czernowitz eine neue griechisch-orientalische Domkirche (vollendet 1864), eine armenisch-katholische Kirche (1875), eine neue Jesuitenkirche, eine Synagoge, eine griechisch-orientalische erzbischofliche Residenz und 54.000 Einwohner (27.000 Deutsche, 10.000 Ruthenen, 8.000 Polen und 8.000 Rumanen), darunter 17.000 israelitischen Bekenntnisses. (In der Literatur wird fur alle Gebiete im ostlichen Altosterreich darauf hingewiesen, dass die Einwohner mit jiddischer Muttersprache, da Jiddisch nicht als eigenstandige Sprache anerkannt war, zumeist Deutsch als Muttersprache angegeben haben. Die tatsachlich Deutschen haben daher wohl nicht die Halfte der Einwohnerschaft ausgemacht.) Zur Wirtschaft wurden eine Bierbrauerei, zwei Dampfmuhlen, eine Sagemuhle, eine Olfabrik, eine Maschinenfabrik und reger Handel insbesondere nach Russland und Rumanien festgehalten. An Schulen wurden ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, eine Staatsgewerbeschule, Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt und eine landwirtschaftliche Lehranstalt registriert, fur die Kultur das Landesmuseum und ein Theater angefuhrt[3].
Osterreich-Ungarn zerfiel Ende Oktober 1918. Galizien schloss sich, ebenfalls Ende Oktober, dem wieder erstehenden Polen an. Am 15./28. November 1918 (je nach Kalender) wurde die Bukowina von Rum?nien annektiert; dies wurde am 10. September 1919 im Vertrag von St. Germain bestatigt. Czernowitz hieB jetzt offiziell Cernau?i. Die rumanische Regierung fuhrte an der Universitat sehr bald Rumanisch als Unterrichtssprache ein; dies fuhrte zum Austritt eines GroBteils der bisherigen Professoren.
Am 28. Juni 1940 wurde die Stadt von der Sowjetunion besetzt. 1941 bis 1944 gehorte Czernowitz wieder zu Rumanien, von 1944 bis 1991 als Tschernowzi (oder auch Tscherniwzi) zur Sowjetunion, seit 1991 als Tscherniwzi zur Ukraine.

Bevolkerung
In Czernowitz lebten Ukrainer, Rumanen, Polen, Ruthenen, Juden, Roma und Deutsche. Ihre kulturelle Blute erlebte die Stadt wahrend ihrer Zugehorigkeit zur Osterreichisch-Ungarischen Monarchie als Hauptstadt des Kronlandes Bukowina. Czernowitz war fur seine Malerei und Literatur beruhmt - und ist es bis heute fur seine Architektur. Durch die Ermordung der Juden und die Umsiedlung und Vertreibung ganzer Volksgruppen, vor allem der Deutschen und der Rumanen, ging diese Tradition nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend verloren. Die judische Gemeinde von Czernowitz in der Diaspora halt heute noch durch die Zeitung "Die Stimme" weltweit Kontakt untereinander.
Die Durchmischung der Stadt durch viele Bevolkerungsgruppen wird an nebenstehender bzw. unten stehender Bevolkerungsstatistik erkennbar. So stellten Rumanen und Ukrainer die Mehrheit der Bevolkerung, doch losten die jiddisch- bzw. deutschsprachigen Juden die Rumanen von 1870 an als groBte Bevolkerungsgruppe der Stadt ab. Ab 1880 wurden die Rumanen von den Ukrainern auch als zweitgroBte Bevolkerungsgruppe abgelost.

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